Rheuma bei Kindern

„Rheuma bei Kindern! Gibt es das überhaupt?“ So reagieren viele Menschen, wenn Sie hören, dass auch schon bei Kleinkindern Rheuma diagnostiziert wird. Es handelt sich hierbei um das akut entzündliche Rheuma und nicht um das, was bei Erwachsenen Rheuma genannt wird, wenn es sich um altersbedingte Abnutzungserscheinungen handelt.

Im Vordergrund stehen natürlich die Gelenke, vorwiegend die Knie-, Hüft-, Sprungund Handgelenke. Das Rheuma ist eine Entzündung unklarer Ursache, die sich in den gelenknahen Geweben abspielt, sich manchmal aber auch nur durch wochenlange Fieberschübe äußern kann (Morbus Still). Neben vielen inneren Organen kann auch das Auge entzündet sein, auch ohne dass man dem Auge äußerlich etwas ansieht. Deshalb müssen alle betroffenen Kinder regelmäßig augenärztlich untersucht werden.

Da die Ursache der rheumatischen Entzündung nicht bekannt ist, gibt es auch keine ursächliche Therapie. Es bleibt nur, den Entzündungsprozess, dem ein aktiviertes Immunsystem zugrunde liegt, zu dämpfen.

Alle eingesetzten Medikamente greifen an verschiedenen Stellen des Entzündungsprozesses ein. Leider sind durch die Therapie auch physiologische Vorgänge beeinträchtigt, so dass mit Nebenwirkungen zu rechnen ist. Das betrifft nicht nur das Cortison, sondern auch andere Immunsuppresiva. In den letzten Jahren sind glücklicherweise Biologica entwickelt worden, die gezielte einzelne immunologische Vorgänge angreifen können. Das Ziel der Behandlung von Kindern mit Rheuma ist, die Gelenk- bzw. Organfunktion zu erhalten und den Kindern ein unbeschwertes Leben zu ermöglichen. Leider müssen manche von ihnen mit Einschränkung ihrer körperlichen Aktivität leben. Mit einem langjährigen Krankheitsverlauf ist zu rechnen und das tägliche Leben muss darauf eingestellt werden.

Das bedeutet, dass Medikamente jahrelang eingenommen werden müssen; dies gilt auch für die Physio- und Ergotherapie. Glücklicherweise werden etwa zwei Drittel aller Kinder nur leicht beeinträchtigt sein, während ein Rest eine dauerhafte Behinderung davontragen wird. Entscheidend für die Prognose ist auch die Frage eines Augenbefalles: Hier kann durchaus die Sehfähigkeit langfristig gefährdet sein. Ein weiterer wichtiger Baustein der Behandlung ist die psychologische Unterstützung und Beratung der bei Nennung der Diagnose sehr stark verunsicherten Eltern. Zur Beratung gehört auch, die Frage der späteren Berufswahl anzusprechen, da natürlicherweise bestimmte Tätigkeiten für die Patienten nicht infrage kommen.

Prof. Dr. Manfred GahrBücherwagen